VON KINDERN FÜR KINDER SEIT 2002

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Man schreibt das Jahr 2002 und die Kinder aus der Kinderkrebsstation der Motol-Krankenhaus sprechen die Deutsche Schule Prag mit dem Projekt „Mit Internet durch die Welt“ an. Am Krankenbett gefesselt, reisten sie zumindestens virtuell durch die Welt. Als sie die Grenze nach Deutschland „überschreiten“ wollten, suchten sie sich unsere Schule im Internet aus, nahmen per E-Mail Kontakt zu unseren Schülern auf, die ihnen anschließend Informationen über ihr Land, dessen Kultur und Gewohnheiten, geschickt haben.

Ein weiteres gemeinsames Projekt hieß „Das Licht meines Lebens“. Kinder malten Bilder davon, was für sie im Leben das Wichtigste ist. Man konnte vergleichen, welche Dinge für die kranken Kinder aus der Klinik und für die gesunden Kinder aus unserer Schule, die aus verschiedenen Weltecken stammen, wichtig sind. Daraufhin folgte die Zusammenarbeit an weiteren Projekten (Der Tulpentag, Der Indianersommer).

Dann kam die Idee, den Erlös aus den regelmäßigen Weihnachtsbasaren gerade den Kindern in Motol zu schenken. Aus einem Teil des Geldes wurden die Rehabilitationsprogramme für die Kinder, die die Therapie durchmachten, bezahlt und aus dem anderen Teil die Übungen und Überstandard-Dienstleistungen, wie Rehabilitation, Massagen und Hilfsmittel (Bälle, Übungsmatten etc.). Später wurden teilweise auch die onkologischen Sportspiele in Wroclav bezahlt, die für Kinder zwei Jahre nach dem Abschluss der Therapie bestimmt sind, die die sogenannte Erhaltungstherapie durchmachen. Erst dann haben sie die Kraft, mit anderen zu wetteifern und richtig Sport zu treiben.

 Scheckübergabe, 20.12.2013

Ein besonderer Dank gilt Frau Kahánková. Sie ist von Anfang an mit der Klinik in Kontakt und ihre Unterstützung liegt nicht nur in der Übergabe des Erlöses aus dem Weihnachtsbasar. Jedes Jahr bemalen unsere Kinder für die Motol-Kinder Kopfkissen, die dann als Geschenk für die Sponsoren der teuren Geräte dienen. Frau Kahánková veranstaltet auch gelegentlich mit ihren Schülern eine Bilderauktion.

Jedes Jahre im Juni besuchen wird mit den Kindern aus unserer Schule das Reha-Camp in Chrustenice bei Beroun. Unsere Kinder bereiten verschiedene Aktivitäten wie einen Schminktisch, Fußball usw vor. Im Juni 2012 diskutierten sie mit unserem Lehrer David Chrištof über seinen karitativen Lauf nach London. Die Kinder waren von unserem Besuch wirklich begeistert und ihre Eltern sah man nach langer Zeit wieder zufrieden und lächelnd. Auch diese Aktivitäten stellen einen Bestandteil der Unterstützung kranker Kinder dar.

 Chrustenice 2013

Diese Zusammenarbeit bringt aber auch den Schülern unserer Schule Nutzen. Es ist schön zu sehen, wie sie darüber nachdenken, dass nichts im Leben selbstverständlich ist und dass nicht immer alle ihren Wünsche in Erfüllung gehen. Es ist auch schön zu beobachten, wie sie sich bemühen, mit ihrer Arbeit, Schöpfungskraft und den Ideen unserer gemeinsamen Hilfe für die anderen beizutragen. Dieses Projekt – diese Zusammenarbeit bereichert beide Seiten.

VON KINDERN FÜR KINDER – das spricht für sich selbst. Gesunde Kinder aus der Deutschen Schule Prag helfen kranken Kindern und werden das auch im nächsten Jahr fortsetzen.

Lustiges Singen für traurige Kinder

Es sind ein paar Tage vor dem Heiligen Abend. In der Schule denken schon alle schon nur daran, was sie unter dem Weihnachtsbaum finden und wie sie die Weihnachtsferien genießen werden. Die meisten Kinder werden mit ihren Eltern ins Gebirge fahren, obwohl ganz wenig Schnee liegt. Wir alle hoffen jedoch darauf, dass das Wetter endlich zur Vernunft kommt, „etwas“ Schnee fällt, wir wieder mal weiße Weihnachten haben und die Freizeit auf der Skipiste verbringen, einen Schneemann bauen oder Schlitten fahren können – einfach das Leben richtig genießen!

Doch so etwas gelingt nicht jedem. Dort, wohin ich mich mit einem Teil unseres Kinderchores gerade auf den Weg mache, gibt es Kinder, die solches Glück nicht haben. Das Einzige, was sie sich wirklich wünschen, ist aus dem Bett zu springen und den Schnee zu mindestens berühren zu können. Und die Sonnenstrahlen im Sommer? Werden diese die überhaupt im neuen Jahr, das sich langsam nähert, kitzeln können? Dazwischen liegen zwar noch viele Monate, aber diese Kinder wissen gar nicht, ob sie die Sonne anders sehen werden als durch das Krankenzimmerfenster.
 
Wir fahren ins Motol-Krankenhaus, die Abteilung der Kinderhämatologie und –onkologie, um den Kindern Weihnachtslieder vorzusingen und den Erlös aus dem Weihnachtsbasar – einen inoffiziellen Scheck über 60 000 Kronen – offiziell zu übergeben.

Ich bin nicht zum ersten Mal in dieser Abteilung des Motol-Krankenhauses. Immer wenn ich dahin fahre und weiß, was mich dort erwartet, achte ich das Wertvollste, was ich besitze – die GESUNDHEIT! Meine Gesundheit, die Gesundheit meiner ganzen Familie und aller mir nahestehenden Personen, und ich bin dankbar, dass keiner von uns das miterleben muss, was für die Kinder und ihre Eltern in dieser Klinik alltäglich ist.  

Fragen Sie sich, was die Kinder hier machen? Was für eine Krankheit sie haben, dass sie hier so lange bleiben müssen? Warum es für sie unvorstellbar ist, im Winter den Schnee anzufassen oder im Sommer die Sonne am Meer zu genießen? Sie haben Krebs, eine sehr verbreitete und heimtückische Krankheit. Krebs ist meist nur schwer heilbare Krankheit. Etwas vereinfacht kann man sie so beschreiben, dass die eigenen Körperzellen verrückt werden und sich zum eigenen Organismus feindlich benehmen, sie vermehren sich und befallen Organe, schwächen sie, bis diese dann langsam ihre Funktion verlieren und absterben. In Motol gibt es Kinder mit Knochenmarkkrebs, anders genannt Leukämie. Diese Krankheit kann man heilen, indem man dem Kranken das Knochenmark von einem geeigneten Spender transplantiert. So ein Mensch, der die gleichen Dispositionen im Knochenmark hat wie der Patient, ist schwer zu finden. Wenn ein solcher Spender schon gefunden ist, gibt es gerade hier, in Motol, der einzigen Transplantationsklinik für Kinder in der Tschechischen Republik, Hilfe für krebskranke Kinder.

Wir stehen vor dem Krankenhaus und werden von Frau Věnka abgeholt, damit wir uns im Krankenhaus nicht verlaufen. Es gibt hier eine Unmenge von Abteilungen, Gängen, Treppen, Fahrstühlen. Věnka arbeitet seit 13 Jahren in der Klinik als Lehrerin. Auch kranke Kinder müssen lernen, um den versäumten Lehrstoff nachzuholen. Nach Bewältigung des Motol-Labyrinths kommen wir in die erste Klinikabteilung. Gleich am Eingang müssen wir die Schuhüberzieher anziehen – Vorschrift ist Vorschrift! Im Besucherzimmer empfängt uns Herr Professor Sedláček, der Chefarzt der Transplantationsklinik, sowie Frau Maruška Choniawková, bereits seit 40 Jahren die gute Seele der Klinik. Ihre Arbeit, auch wegen der Privatzeit, die sie den Kindern in der Klinik widmen, betrachte ich voller Bewunderung.

Der Chor fängt zuerst mit ein paar Liedern an und dann begeben wir uns in den Gang vor die Zimmer. In der ersten Abteilung liegen Kinder nach der Transplantation, die mit der eigentlichen Therapie beginnen. Im 1-Bett-Zimmer verbringen sie einige Monate angeschlossen an Geräte, mager, ohne Haare. Einige dürfen ïberhaupt nicht aus dem Zimmer herauskommen, nicht mal das Fenster ein bisschen aufmachen, um unsere Weihnachtslieder hören zu können. Sie befinden sich in einer sehr strengen Isolation. Eltern und Krankenschwestern kommen zu ihnen nur nach einer gründlichen Desinfektion, in steriler Bekleidung und mit Mundschutz. Die Kinder haben keine Sicherheit, ob sie überhaupt einmal gesund werden. Einige Kinder dürfen im Rollstuhl zwischen der Tür verweilen und dem trotz des Mundschutzes sehen wir das Lächeln in ihren Augen. Endlich etwas anderes, als das sterile Zimmer und die immer gleiche Aussicht aus dem Fenster. Die Mütter verbergen kaum ihre Begeisterung von unseren Sängern. Wenn die Kinder aus dieser Abteilung eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erleben, wechseln sie in die nächste Abteilung, wohin wir jetzt Frau Věnka folgen.

In der zweiten Abteilung ist es mit der Isolation nicht mehr so streng wie in der ersten. Trotzdem sind hier die Kinder Tag und Nacht an Geräte gefesselt. Sie sind jedoch zu zweit bis zu dritt in den Zimmern. Hier verbringen sie mit der Therapie wieder einige Monate. Unsere Sänger stellen sich im Flur im Halbkreis auf und für die kranken Kinder dürfen die Türen geöffnet werden, damit sie dem Weihnachtsgesang, begleitet von der Gitarre von Herrn Salvet, zuhören können. Auch trotz der bunten Wände und lustigen Bilder der Märchenfiguren wirkt es hier auf uns nicht sehr lustig. Die Vorstellung, auf der anderen Seite zu sein, in dem Zimmer, welches für uns für einige Monate das Zuhause sein sollte, ist gar nicht lustig.

Wir begeben uns zurück ins Krankenhauslabyrinth und wechseln zu der Abteilung, in der sich die Kinder auf das Verlassen des Krankenhauses vorbereiten. Dazu gehört auch die hiesige „Schule“, in der das Lernen und die Vorbereitung auf das normale Leben beginnt. Nicht einmal in dieser Abteilung haben die Kinder endgültig gewonnen. In dieser Phase haben sie allerdings schon die Hoffnung, ganz gesund zu werden, auch wenn es sogar mehrere Jahren dauern kann.

Gerade für diese Kinder, die die ganze Therapie durchmachten und ins normale Leben zurückkehren wollen, ist unsere Spende bestimmt, die wir jedes Jahr aus dem Weihnachtsbasar gewinnen. Unsere Schule spendet diesen Erlös jedes Jahr für die Busreise nach Wroclaw, wo onkologische Sportspiele für Kinder stattfinden, sowie für die Rekonvaleszenz und Rehabilitation der Kinder im Camp in Chrustenice bei Beroun. Hier sind die Kinder zum ersten Mal nach der Behandlung in einer Gemeinschaft. Nach den langen Monaten im Krankenhaus spielen sie wieder mit anderen Kindern. Die ganze Zeit im Krankenhaus konnten sie keine blühenden Bäume, keinen grünen Rasen, keinen Fußball sehen, konnten nicht an der frischen Luft laufen, so wie wir, wenn es uns gefällt. Sie kehren ins Leben auch dank uns allen aus der Deutschen Schule Prag zurück.

Bevor wir uns verabschieden, übergeben wir noch einen Scheck im Wert von 60.000 CZK. Herr Professor Sedláček und Frau Choniawková bedanken sich bei uns, als ob wir ihnen gerade ein paar Millionen übergeben hätten. Wir machen ein gemeinsames Foto mit einem Lächeln im Gesicht, was gar nicht so einfach ist nach allem, was wir gerade gesehen haben. Wir gehen nach Hause schweigsam nach Hause, doch mit einem guten Gefühl, dass auch unsere Schule den Kampf der Kinder gegen die heimtückische Krankheit unterstützt und dass wir den Kindern und ihren Eltern die unendliche Zeit im Krankenhaus mindestens ein wenig bunter machen können.

Bisher schrieb ich „nur“ darüber, was ich im Krankenhaus gesehen habe. Das ist aber bei weitem nicht alles. Beinahe in allen Fällen muss ein Elternteil auf seine Arbeit, d. h. auch auf sein Einkommen, verzichten, um die Zeit mit dem kranken Kind im Krankenhaus verbringen zu können. Einige Eltern wohnen sogar dort. Die Unterstützung der eigenen Familie und die Anwesenheit der Eltern während der Therapie hat einen großen Einfluss auf die Kinderpsyche. Und nur im Idealfall hat ein krankes Kind beide Eltern bei sich.

Zum Schluss möchte ich mich bei allen aus der Deutschen Schule Prag, bei den Sponsoren sowie den Partnern, für die Zusammenarbeit und Unterstützung bedanken. Dank uns allen sehen wir ein Lächeln in den Gesichtern der Kinder und ihrer Eltern, dank der Tatsache, dass unsere gesunden Kinder die kranken unterstützen konnten, die das auch brauchen. 

Ich danke sehr Herrn Salvet und seinen „Schäfchen“ aus dem Schulchor für das Weihnachtssingen in der Klinik: Frau Geitmann, Frau Adiprasito, Frau Carstensen, Sophie, Isabel, Ariadne, Antonia, Lorenz und Annabel.

15. Mai 2013

Marie Grygerová
PR/Marketing
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