"Ich hatte Glück" - Podiumsgespräch mit dem ehemaligen Botschaftsflüchtling Markus Rindt

Aktualisiert 02.10.2019

Er hatte viele Ausreisephantasien: als Kind wollte er als Hirsch verkleidet über die Grenze springen, später mit einem Ballon darüber hinwegfliegen, sich dann im Kofferraum eines Autos versteckt auf die westdeutsche Seite bringen lassen. Letztendlich kam es anders: Markus Rindt flüchtete im Herbst 1989 über die deutsche Botschaft in Prag nach Westdeutschland.

"Ich hatte Glück, da ich zur zweiten Welle der Botschaftsflüchtlinge gehörte, als ich am 3. Oktober 1989 mit meiner Freundin an der deutschen Botschaft in Prag ankam", erzählte der Zeitzeuge während eines Podiumsgesprächs in der Aula unserer Schule anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Botschaftsbesetzung in Prag. Abigél Dávid und Vojta Borusík stellten ihm in Anwesenheit der Klassen 9 bis 12 viele Fragen und konnten so in Erfahrung bringen, dass Markus Rindt eigentlich ein gutes Leben in der DDR hatte. Er studierte Horn an der Musikhochschule und konnte seinen beruflichen Traum verwirklichen, aber er wollte mehr: Freiheit, einfach nur reisen, nicht eingesperrt sein in einem Land.

Seine Reise nach Prag tarnte Markus Rindt perfekt als Campingausflug. In vielerlei Hinsicht keine schlechte Idee, wie sich später herausstellte: Die Isomatten und Schlafsäcke hielten ihn und seine Freundin warm, als sie auf dem Platz vor der Botschaft übernachten mussten, bevor ihre Ausreise genehmigt wurde. Der Jubel über diese Nachricht war riesig, fremde Menschen lagen sich vor Freude in den Armen. Es folgte die Zugfahrt durch die DDR in die BRD, auf der allen Flüchtlingen die DDR-Ausweise abgenommen wurden. Aber auf diesen habe Markus Rindt gut verzichten können. Noch heute erinnert er sich gut an die Ankunft des Zuges in Hof in Bayern. Das Willkommen, das die vielen Menschen, die an den Bahnhof gekommen waren, den Flüchtlingen bereiteten, war so herzlich, das es ihm die Sprache verschlug. Heute setzt sich Markus Rindt dafür ein, dass Menschen, die wegen politischer Verfolgung oder Bürgerkrieg flüchten müssen, die Unterstützung und Anteilnahme bekommen, die ihm damals zuteilwurde. "Die Zukunft der Welt ist kosmopolitisch", sagte er, "wie eure Schule."

 

Maren Probst