Bevor Hauptmann Sven Weber und Oberleutnant Michael Schlößer, beides hauptamtliche Jugendoffiziere der Bundeswehr, das große Spielbrett mit der Weltkarte in der Mitte des Unterrichtsraumes aufbauen konnten, wurde im Presse- und Informationsstab des Bundesministeriums der Verteidigung genauestens geprüft und abgewogen, ob dem Wunsch der stellvertretenden Schulleiterin Frau Faude hinsichtlich Durchführung eines solchen Seminars entsprochen werden kann. POL&IS Seminare sind Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr und finden aufgrund gültiger Richtlinien ausschließlich in Deutschland statt. Dort gehören sie allerdings schon fast zur Tagesordnung. Rund 14.000 Schüler jährlich erleben in diesen Seminaren Politik. Und darum geht es auch im Wesentlichen: Politik „erleben“. In der Simulation werden politische, wirtschaftliche und ökologische Gegebenheiten und Probleme ebenso aufgegriffen und verarbeitet wie das aktuelle weltpolitische Geschehen. Die Welt, aufgeteilt in 11 Regionen, wird durch die Schüler repräsentiert. Sie nehmen die Rollen als Regierungschef, Staatsminister, Wirtschaftsminister oder Oppositionsführer ein. Natürlich sind auch die UNO mit ihrem Generalsekretär, die Weltbank, die Weltpresse und der große Bereich der NGO´s, der nichtstaatlichen Organisationen, entsprechend vertreten. Demokratien sind ebenso vorhanden wie Monarchien und Diktaturen. Für jede Rolle gibt es ein spezielles Regelheft mit entscheidenden Informationen, über die nur die Person verfügt, die die entsprechende Rolle wahrnimmt. Weil niemand alle Informationen hat, ist der Austausch mit Vertretern der gleichen Region besonders wichtig. Das Seminar ist für die beteiligten Schülerinnen und Schüler recht anspruchsvoll. Die wirtschaftlichen, kulturellen, bevölkerungs-politischen und militärischen Rahmendaten einer Region müssen zunächst von den jeweiligen Vertretern zusammengetragen werden. Die Daten und Fakten, mit denen die Seminarteilnehmer dabei arbeiten, entsprechen der realen Weltsituation. Internationale Verträge werden abgeschlossen, innerpolitische Probleme müssen entschärft werden, die Wirtschaft muss aufgebaut und gestärkt werden. Eine internationale Rohstoff- und Warenbörse wird von der Weltbank eingerichtet, auf der die einzelnen Regionen Überschüsse verkaufen und benötigte Waren und Rohstoffe kaufen können. Die beiden Jugendoffiziere treten dabei als Moderatoren auf. Sie achteten einerseits auf die Einhaltung der Spielregeln, andererseits geben sie Ratschläge und bewerten die Konzepte und Programme, die von den einzelnen Spielgruppen erarbeitet werden. Aktuelle politische Veränderungen, Anzeichen von Konflikten, Finanzkrisen und Umweltprobleme, die in der laufenden Simulation entstehen, werden von ihnen aufgegriffen und in neue Simulationseinlagen eingearbeitet, mit denen die einzelnen Regionen erneut konfrontiert werden. Selbstverständlich werden auch die aktuellen Probleme wie Rohstoffverknappung, Umweltschutz und die weltweite Bedrohung durch den Terrorismus von den Schülerinnen und Schülern verarbeitet. China stellt sich der Umweltproblematik und erarbeitet eine Anti-Raucher-Kampagne +++ In Nordamerika lähmen Hacker die Bankwirtschaft +++ Südamerika verhängt einen Ausnahmezustand als Reaktion auf Massenstreiks, die nach anhaltender Lebensmittelknappheit ausbrachen +++ Japan beugt sich dem Druck der Öffentlichkeit und der internationalen Umweltschutzorganisationen und stellt den Walfang ein +++ Terror in Nordamerika und Asien +++ Spannungen zwischen China und Japan +++ Rohstoff- und Energieknappheit Hauptursache für größtenteils ergebnislosen Welthandel – nur einige Schlagzeilen, die die „Weltpresse“ als Aufmacher für ihre Berichte nutzte und die zugleich die Bandbreite der Themen, mit denen sich die Regionalvertreter befassten, widerspiegeln. Dabei werden ihnen zwei Dinge recht schnell klar: Alleingänge führen ins Nichts, nur die Kooperation mit anderen Regionen kann zu einer Lösung führen. Krieg als Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen ist fatal. Sie lernen schnell, dass der Begriff „Sicherheitspolitik“ nicht mit „Militärpolitik“ gleichzusetzen ist. Kurzvorträge durch Oberstleutnant i.G. Karl-Peter Wernz, Verteidigungsattaché in Prag, und Bernd Felgendreher, Sozialreferent der deutschen Botschaft Prag, ergänzten das Seminar und vermittelten anschaulich Auswirkungen der deutschen Sicherheitspolitk auf die Auftragslage der Bundeswehr sowie das Verhältnis zwischen Israel und Libanon im Nahen Osten. Konrad Scharinger, stellvertretender Botschafter in Prag und gleichzeitig politischer Referent, verfolgte die Abschlussreden der Regionalvertreter am letzten Tag mit großem Interesse. In seinem kurzen Vortrag zog er Parallelen zwischen der realen Politik und POL&IS und bescheinigte dieser Simulation ein hohes Maß an Realitätsnähe. POL&IS als eine von vielen Möglichkeiten, Schülern politische Zusammenhänge näher zu bringen, fordert die Seminarteilnehmer auch in anderen Bereichen: Kommunikation, Teamfähigkeit und das Erfassen komplexer Zusammenhänge. Das Rollenspiel lebt von der Kreativität und der Arbeitsbereitschaft der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Somit also eine erlebnisreiche Ergänzung des normalen Unterrichts, die von den jungen „Weltpolitikern“ engagiert genutzt wurde.
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